01.07.2020

Kreispokal der Frauen: „Entweder man hat den Ball oder nicht“

Autor / Quelle: Emslandsport/FFor

Text und Fotos von Henning Harlacher (Emslandsport)

 

Sögel. Elfmeterschießen. Der Schiedsrichter platziert den Ball auf dem Elfmeterpunkt. Während die Torhüterin ein letztes Mal ihre Position im Tor und ihre Torwarthandschuhe überprüft, spielt sich im Kopf der Schützin einiges ab. Für welche Ecke entscheide ich mich? Soll ich voll drauf hauen oder den Ball platziert in die Ecke legen? Der Ball muss ins Tor! Hoffentlich schieße ich nicht daneben.

Dann ertönt der Pfiff. Der Ball ist freigegeben. Das Adrenalin schießt durch den Körper. Für welche Schussvariante hatte ich mich noch entschieden? Beim Loslaufen zum Ball sind alle Gedanken über den Haufen geworfen. Egal, Hauptsache das Ding geht rein. Eine solche Szene spielte sich am Sonntagmittag auf dem Kunstrasenplatz in Sögel gleich mehrfach ab. Der Kreispokal der Frauen wurde im Elfmeterschießen ausgespielt.

"Ein bisschen bremsen"

Die Frage, die sich den Teams zunächst auf dem Sportplatz stellte: Wie bereite ich mich auf ein solches Elfmeterschießen vor? Sollen wir unser übliches Aufwärmprogramm wie vor einem Pflichtspiel abspulen? Während die Spielerinnen des VfL Herzlake direkt einige Elfmeter auf Torhüterin Inga Kappel schossen, spielten sich andere Teams den Ball im Kreis zu oder dehnten sich ausgiebig. „Wir haben uns gut warm gemacht. Mehr kannst du nicht machen. Es bringt auch nichts, Druck aufzubauen. Du musst eher mal ein bisschen beruhigen“, bestätigte Bawinkels Trainer Dirk Voss. „Bei den Mädchen hat schon stark gemerkt, dass sie die Elfmeter analysieren. ’Die Torhüterin springt dahin und die dahin’. Da muss man als Trainer ein bisschen bremsen, dass sie sich nicht verrückt machen.“

Vor der Corona-Pause hatten die meisten Teams ihre Achtelfinalspiele ausgespielt. Einzig die Partie SV Bawinkel gegen SV Olympia Laxten war noch offen. Da die Laxtenerinnen nicht den Weg nach Sögel auf sich genommen hatten, stand noch vor der Begrüßung durch Maria Kruse und Staffelleiter Gerrit Bruns fest, dass direkt mit dem Viertelfinale begonnen wird.

Drei Elfmeter im Finale gehalten 

Elfmeterliebhaber wären bei diesem Format voll auf ihre Kosten gekommen. Schließlich fanden insgesamt sieben Elfmeterschießen direkt nacheinander statt. Aufgrund der Hygieneregeln waren jedoch keine Zuschauer erlaubt.

Statt der Fans waren am Sonntagmittag die Torschüsse, die Jubelschreie der Spielerinnen oder die Aluminiumtreffer zu hören. Für die Teams der SG Teglingen/Osterbrock, DJK Eintracht Papenburg, Union Meppen und SG Breddenberg/Heidbrücken/Börger/Werpeloh war der Kreispokal nach kurzer Zeit direkt wieder beendet. Die Teams traten nach ihren Niederlagen wieder den Heimweg an. Für den SV Bawinkel und die FSG Haren/Emmeln ging es wie im Vorjahr bis ins Finale. Nach einer starken Leistung von Torhüterin Theresa Janssen setzte sich Haren/Emmeln durch. „Die Torfrau von Haren/Emmeln hat drei Elfmeter hervorragend gehalten. Der Ausgang ist absolut verdient. Das würde ich dann auch nicht mehr als Glückssache bezeichnen“, gratulierte Voss als fairer Verlierer.

Die Angst fällt ab


„Irgendwann fällt bei einem die Angst ein bisschen ab. Wenn man dann aber im Finale steht, geht der Puls doch wieder hoch. Als Torhüterin hat man entweder den Ball oder man hat ihn nicht. Es ist meistens eher Glück, als dass man seine Leistung wirklich zeigen kann“, freute sich Theresa Janssen. „Die Bawinkelerinnen haben ihr Schussverhalten nicht geändert, deswegen konnte man gut in die Ecken springen.“

Für Kapitänin und Vierfach-Schützin Eva Jüngerhans war der Weg bis zum Pokalsieg ein langer. „Ich habe nur zwei von vier Elfmetern verwandelt, aber in den ersten beiden Spielen war es ein wenig der Aufregung geschuldet“ so Jüngerhans. „Man muss sich knallhart auf das konzentrieren, was man sich vorgenommen hat. Man darf sich nicht zu sehr auf den Torhüter konzentrieren.“

Michael Janssen, Trainer der FSG Haren/Emmeln, freute sich über die Titelverteidigung. „Wir sind relativ entspannt hier hingefahren. Wir haben im letzten Jahr ja schon den Pokalsieg geholt, von daher haben wir letztes Jahr schon erreicht, was wir immer schaffen wollten und dieses Jahr war dann die Kür“, sagte Janssen. „Es wäre natürlich schöner gewesen, wenn wir es über den Spielbetrieb hätten erreichen können. Aber nichtsdestotrotz ist der Sieg sehr schön. Es wäre aber natürlich umso schöner gewesen, wenn alle Spielerinnen der Mannschaft vor Ort hätten sein dürfen. Aber das werden wir in irgendeiner Art und Weise sicherlich noch mal nachholen. “ Die Hygieneregeln für das Elfmeterschießen besagten, dass eine Mannschaft nur mit fünf Spielerinnen, einer Torfrau, einer Ersatzspielerin und einem Trainer teilnehmen dürfen.

„Die Hygienevorschriften sind super eingehalten worden. Das hat alles sehr gut funktioniert und alle sind zufrieden. Auch dass es mal wieder einen kleinen Wettkampf gab. Die Pokalübergabe fällt natürlich auch nicht so aus, wie man sich das gewünscht hat. Es ist aber alles sehr gut gelaufen. Wir sind froh, dass wir es so gemacht haben“, freute sich Kruse. Bei der Pokalübergabe mussten die Kapitäninnen ihre Trophäen vom Boden aufheben und durften anschließend mit ihren Teamkolleginnen jubeln.

Die FSG Haren/Emmeln hat ihren Titel aus dem Vorjahr verteidigt (auf dem obersten Foto hinten v.l.): Meike Robben, Johanna Schepers, Lorena Plagge, Emelie Terhorst, Michael Janssen sowie (vorne v.l.) Eva Jüngerhans, Theresa Janssen und Anna Jüngerhans.

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Seite zuletzt aktualisiert am: 04.08.2020

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