19.02.2020

Sportvereine gehen mit gutem Beispiel voran

Autor / Quelle: KSB EL/FFor

KreisSportBund (KSB) und NFV-Kreis Emsland führen Kooperationsmaßnahme „Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt" und „Kindeswohlgefährdung“ durch.

 

Der KreisSportBund Emsland (KSB) und der Niedersächsische Fußballverband Kreis Emsland (NFV) ging wegen der in letzter Zeit ins Gespräch gekommenen Thematik zu sexuellen Vorkommnissen im Kinder- und Jugendbereich in Sportvereinen einen Schritt vor und bot Trainern/Betreuern sowie allen Interessierten eine Fortbildung dazu an.

 

Willi Fenslage, Vizepräsident Bildung beim KSB Emsland, und Kerstin Kossen, Vorsitzende im Qualifizierungsausschuss beim NFV-Kreis Emsland, begrüßten dazu die Teilnehmer*innen an der Sportschule Emsland in Sögel, die an dem KSB/NFV-Kurs "Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt und Kindeswohlgefährdung“,  vorgetragen vom Referenten Andreas Thomes, teilnahmen. In ihrer Begrüßung wurde deutlich, dass Prävention und Intervention das Ziel dieser Fortbildungsreihe ist.  „Unsere Vereine haben eine große Verantwortung für ihre Sportlerinnen und Sportler. Und ganz besonders für die, die am meisten Schutz benötigen, nämlich die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen. Sie, und auch die Angehörigen, vertrauen darauf, dass sie in ihrem Verein, in ihrer Gruppe, bei ihren Trainerinnen und Trainern, Betreuern und dem gesamten Umfeld gut aufgehoben sind. Dabei wollen wir sie unterstützen!“ sind sich beide einig.
Mit Hilfe von exemplarischen und praxisnahen Fallbeispielen, gespeist aus der persönlichen/beruflichen Erfahrung des Referenten, kam es zu interessanten Diskussionen, die den anwesenden Übungsleiterinnen/Übungsleitern und Trainerinnen/Trainern erst bewusst werden ließen, wie es zu sexuellen Übergriffen im Sportverein kommen und wie nahe das Thema doch eigentlich sein kann.


Schnell kam es zur Erkenntnis, dass vor allem das "Hinsehen" gefördert werden muss. Es gibt 14 000 registrierte Vorfälle pro Jahr in Deutschland, davon einige im Sport. Deutlich wurde, dass sexualisierte Übergriffe ein gesellschafspolitisches Problem ist, das auch vor dem Sport keinen Halt macht. Geschlossene Systeme, die ohne externe Kontrolle existieren, bieten Tätern ein Umfeld, in dem sie ungehindert agieren können.
Wenn ein Trainer sagt: „Kuscheln ist ok, da passiert nichts dabei“, dann hat das im Sport nichts zu suchen. Das muss in den Verhaltensrichtlinien des Vereins klar geregelt sein.


In seinem Vortrag führte der Referent weiter aus, dass seit 2012 das Umsetzen des Konzeptes "Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport" in den Sportvereinen verpflichtend ist. Aufgrund der Missachtung es umzusetzen finden Sexualstraftäter auch weiterhin in den Sportvereinen ein sorgloses Umfeld. Die Vereine sollten das existierende Konzept umsetzen, so hätten Übergriffe in einigen Vereinen verhindert werden können!


Weiter führte er aus: Die Umsetzung ist ganz einfach, wenn mal als Verein folgende Mindeststandards umsetzt:
1.    Benennung einer Vertrauensperson im Sportverein
2.    Aufstellen von Verhaltensregeln im Sportverein
3.    Vorlegen des erweiterten Führungszeugnisses
4.    Übungsleiter und Vorstand zum Thema schulen
5.    Abgabe des nach einer Schulung unterzeichneten Verhaltensrichtlinie (Ehrenkodex).


Einhergehend mit der spezialisierten Ausrichtung der sexualisierten Gewalt wurde zudem das „allgemeinere“ Thema der Gefährdung von Kindern durch Übergriffe verschiedenster Art betrachtet. Es wurde deutlich, dass es überall zu einer Kindeswohlgefährdung kommen kann und dass jedem Menschen - und insbesondere den Übungsleiter*innen, Trainer*innen und Betreuer*innen in den Sportvereinen in ihrer Funktion als Sozialisationsinstanz - eine wichtige Rolle im Kinderschutz zukommt.


Es herrschte somit schnell Einigkeit darüber, dass „Weggucken“ nicht gilt.  Die Teilnehmer wurden darauf sensibilisiert, gewichtige Anhaltspunkte zu erkennen und es wurden fachlich qualifizierte Ansprechpartner benannt, mit denen in solchen Situationen im Bedarfsfall kooperiert werden kann. Dieses, um „so gut es geht“ einen wirksamen Schutz zu gewährleisten. Passivität hilft nur den Tätern, und Vereine können das Risiko für alle Formen sexualisierter Gewalt signifikant verringern, wenn sie eine „Kultur des Hinsehens“ schaffen.
 Dazu die Aussage von Stefan Fischer (Jugendtrainer): „Schutz vor sexualisierter Gewalt ist ein wichtiges Thema, auch für mich als Übungsleiter, damit ich einschätzen kann, was ist erlaubt und was nicht, aber auch, um nicht in einen falschen Verdacht zu geraten“.
Resümee einer Teilnehmerin:
„Die Veranstaltung war super. Ich habe selbst Kinder und trainiere darüber hinaus eine Kindersportgruppe. Das Thema Schutz vor sexualisierter Gewalt und Kindeswohlgefährdung möchte ich nicht dem Zufall überlassen. Für alle möchte ich den bestmöglichen Schutz, nicht nur im Sportverein!“

Interessierte Sportvereine können nach vorheriger Terminabsprache Schulungen zu diesem Thema in vereinseigenen Räumen durchführen. Darüber hinaus besteht speziell für Vereinsführungskräfte die Möglichkeit „Tandemveranstaltungen“ durchzuführen

Bild von li: Willi Fenslage (Kreissportbund Emsland, Vizepräsident Bildung), Andreas Thomes (Referent), Kerstin Kossen (Vorsitzende des Qualifizierungsausschusses NFV-Kreis Emsland)

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Seite zuletzt aktualisiert am: 04.04.2020

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